
Schon zu Lebenszeiten wurde Dürer nicht nur als Künstler, sondern auch als Mathematiker hochgeschätzt. So ist es wohl kaum Zufall, dass der Vorbesitzer des von Dürer vor 500 Jahren gekauften Hauses der 1504 verstorbene Handelsmann und Astronom Bernhard Walther war. Walther, ein Freund und Schüler des bekannten Johannes Regiomontanus, ließ das Gebäude nach seinen Vorstellungen umbauen, so dass er von den Fenstern des Südgiebels aus seine astronomischen Messungen tätigen konnte. Seine Beobachtungsreihen und Forschungsergebnisse dienten den Wissenschaftlern der Folgezeit, so auch Nikolaus Kopernikus, als wichtige Grundlage.
Gymnasiallehrer für Mathematik, Physik und Informatik am Labenwolf-Gymnasium Nürnberg, Astronomiehistoriker und Mitglied der Nürnberger Astronomischen Gesellschaft und Nürnberger Astronomischen Arbeitsgemeinschaft


Nicht erst der Berliner Reporter Egon Erwin Kisch unternahm "Nachforschungen nach Dürers Ahnen". Er steht bereits in einer längeren Tradition künstlerbiographischer Forschung zum berühmtesten Sohn der Stadt Nürnberg, die sich bemüht, unter Ausnutzung aller erdenklichen Quellen, vom Ortstermin in der ungarischen Provinz bis zur Autopsie bekannter Gemälde und Bildniszeichnungen, Freundschafts- und Verwandtschaftsverhältnisse und sonstige persönliche Beziehungen aufzuspüren oder zu rekonstruieren. Der Jahrestag des Albrecht-Dürer-Hauses ist ein willkommener Anlass, solchen vielfältigen Familienangelegenheiten erneut nachzugehen und dabei auch die unterschiedlichen Facetten bisheriger Forschung vorzustellen.
Leiter der Sammlung deutscher Zeichnungen, Buchmalerei und Druckgraphik bis 1800 im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin

Der Künstler und sein Atelier sind Sinnbilder für Inspiration und Kreativität. Entspricht auch Dürers Werkstatt diesem modernen Verständnis? War Dürers Atelier nicht vielmehr ein für die Zeit um 1500 typischer Ort einer ökonomischen Kunstproduktion? Oder war die Dürer-Werkstatt tatsächlich einer der frühesten akademischen Lehrbetriebe? Der Vortrag spürt den Vorstellungen und Belegen zur Dürer-Werkstatt und den Künstlerateliers der Frühen Neuzeit nach. Es zeigt sich dabei, wie sehr unser Verständnis von Ideen und Idealen des 17. und 19. Jahrhunderts geprägt ist.
Leiter der Sammlungen Gemälde bis 1800 und Glasmalerei im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg

Nach dem Tod Albrecht Dürers galt seinem Haus wenig Beachtung. Erst im Zuge der romantischen Entdeckung Nürnbergs entwickelte es sich zu einer Stätte der Dürer-Verehrung. Zu jener Zeit entstand auch ein Markt für Darstellungen, die hauptsächlich das Dürer-Haus in den Blick nehmen. Die früheste druckgraphische Ansicht des Gebäudes stammt von Johann Christoph Erhard. Die zugrundeliegende Vorzeichnung Johann Adam Kleins ist verschollen. Doch lässt sich der zeichnerische Kontext rekonstruieren. Er wirft ein interessantes Licht auf eine neue Schwerpunktsetzung in der Dürerbiographik.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrums der Museen in Nürnberg

Im Jubiläumsjahr 1871 gründet sich die - bis heute aktive - Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung und wird vier Jahre später Mieterin des Künstlerhauses. Vorrangiges Ziel der Stiftung ist es, das im Laufe des 19. Jahrhunderts heruntergekommene Anwesen wieder herzurichten, würdig auszustatten und als Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach den Entwürfen der das Nürnberg der Wilhelminischen Zeit dominierenden kunstpolitischen Persönlichkeit, des Malers und Kunstschulprofessors Friedrich Wilhelm Wanderer, erfolgt Anfang der 1880er Jahre die "Wiederherstellung und Einrichtung" des Künstlerhauses "im Gepräge der Zeitperiode Dürers".
Leiterin des Museums Tucherschloss und der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der museen der stadt nürnberg

Thomas Manns Roman "Doktor Faustus" knüpft auf vielfältige Weise an die Welt Dürers an. Der Vortrag zeichnet nach, welche Rolle Albrecht Dürer und das Albrecht-Dürer-Haus in diesem radikalen Deutschlandroman des Jahres 1947 spielen. Dabei wird auch zur Sprache kommen, welche zeitgenössischen Dürer-Bilder Thomas Mann aufgreift und wie er sie in seinem Roman modifiziert.
Lehrstuhlinhaber für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Bamberg